Gott allein die Ehre

Posted: 24. August 2009 in Erbauliches, Theologie
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Dies prägt nicht nur die Musik Bachs, Händels oder Zelenkas (siehe letzten Post), sondern ist besonders erkennbar bei Johannes dem Täufer (Joh 3,22-36), der, als Jesus seinen Dienst beginnt, zurücktritt und sagt:

Er muss wachsen, ich aber abnehmen.” (Joh 3,30)

Die Antwort Johannes des Täufers auf diese Frage ist auch lehrreich für uns. Wenn wir Gemeinde bauen, wenn wir unsere Ziele und Ehre an die oberste Stelle setzen, dann verfehlen wir das Ziel völlig. Es geht um Gottes Ehre und seine Verherrlichung allein! Johannes ist bereit, seinen Dienst und den Segen, den sein Dienst erbracht hatte, loszulassen. Er klammert sich nicht an Erfolg und Nachfolger, sein Prinzip ist die Verherrlichung Christi, die notwendigerweise das eigene Zurücktreten beinhaltet (V. 30).

Ich glaube, dass die Frage, wem die Ehre in der Gemeinde gebührt, brennender ist, als man zugeben möchte. Wieviel Machtmissbrauch gibt es in Gemeinden? Wie oft ist Gemeindebau die Verwirklichung der eigenen Vorstellungen und Wünsche, etwas zu tun, was noch keiner vor uns getan hat? Wie oft packt uns da ein falscher Ehrgeiz? Gottes Reich kann nicht gebaut werden, ehe wir unsere eigenen Vorstellungen völlig aufgeben und dem Willen und der Ehre Jesu unterordnen. Dies mag durchaus heißen, dass niemand mehr uns folgt. Es geht um die Nachfolge Christi.

Diese Unterordnung unter Jesus liegt dem Evangelisten sehr am Herzen. Unglaube bedeutet Ungehorsam und zieht Gottes Zorn nach sich. Wer sich hingegen Jesus unterordnet, bekennt sich zur Wahrhaftigkeit und Wahrheit Gottes und wird das ewige Leben erben. Der Evangelist stellt uns vor die Entscheidung, vor der schon das Volk Israel immer stand: Wem wollt ihr dienen? YHWH oder den Göttern der Ägypter (vgl Jos 24,15) ?

Wenn Johannes Calvin in den berühmt gewordenen Worten am Anfang seiner Institutio als Summe aller Weisheit die Gotteserkenntnis und die Selbsterkenntnis gegenüberstellt, hat er treffend zusammengefasst, was auch diese Perikope vermitteln will. Gotteserkenntnis bedeutet nichts anderes als Christuserkenntnis. In Christus offenbart sich Gott, der Vater, er hat ihm alle Macht übergeben und er ist der wahre Abglanz seines Wesens. Dem gegenüber steht unsere Selbsterkenntnis, nämlich die Erkenntnis, dass uns keine, aber Gott alle Ehre gebührt. Aus dieser Erkenntnis erwächst notwendigerweise die Entscheidung zum Gehorsam und zur Unterordnung Gott gegenüber.

Johannes der Täufer darf uns in seinem Lebensmotto ein Vorbild sein. Aber auch Johannes war kein Übermensch. Um mal einen kleinen Ausblick über die Perikope hinaus zu wagen: die Bibel berichtet uns ebenso von seinen Zweifeln, die er hegte, während er später im Gefängnis saß (Mt 11,2-6). Glauben heißt nicht, dass damit alle Zweifel für immer vom Tisch sind. Aber auch in seinen späteren Zweifeln tut Johannes das einzig richtige: er kommt mit den Zweifeln zu Christus. Abstrakter gesagt: Johannes weiß, dass die einzige Antwort auf seine Fragen und Zweifel Christus selbst ist. Christus beansprucht nicht weniger, als die Grundlage unserer Gotteserkenntnis zu sein: er selbst ist fleischgewordener Gott. Diesem Anspruch können wir uns beugen oder aber ungehorsam sein. Die Konsequenzen des Ungehorsams werden wir aber tragen müssen. Ein jeder steht täglich vor der Entscheidung der Nachfolge, sie ist nicht mit einem einmaligen „Übergabegebet“ erledigt: Glauben ist eine tägliche und beständige Herausforderung. Die Kraft zum Glauben kommt dabei aber einzig und allein von dem, an den wir glauben: Jesus Christus.

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