Nach Ansicht vieler Kirchengeschichtler trat bald nach der Zeit der Apostel ein Wandel im Gemeindeleitungsverständnis ein. Das Neue Testament als solches kennt keine Unterscheidung zwischen Bischöfen/Aufsehern (episkopoi) und Ältesten/Presbytern (presbyteroi), gebraucht beide Titel vielmehr austauschbar. Dem gegenüber stellt man insbesondere bei Ignatius von Antiochien (frühes 2. Jh. n.Chr.) ein dem Ältestenamt übergeordnetes Bischofsamt fest, was in der Kirchengeschichte als „monarchischer Episkopat“ bezeichnet wird. Diese Bezeichnung ist in vieler Hinsicht unglücklich.
Dies hat Johannes Calvin wie kein anderer erkannt und schreibt in seiner Institutio (Inst IV,4,4) , dass es den Bischöfen keinesfalls um hierarchische Machtausübung ging. Die Ignatiusbriefe fordern zwar sehr häufig die Unterordnung unter und den Gehorsam gegenüber dem Bischof, fordern aber das gleiche auch in Bezug auf die Ältesten und Diakone, dass man ihnen folgsam sein solle. Calvins Sichtweise scheint mir weitaus plausibler als die sehr verbreitete „Abfalltheorie“, nach der die Ordnung und Lehre der Apostel unmittelbar nach ihrem Dahinscheiden schrittweise verdreht und verkehrt wurde. Calvins Schlussurteil:
“ Wenn wir aber die Bezeichnung weglassen und allein die Sache anschauen, so werden wir finden, dass sich die Bischöfe der Alten Kirche keine Gestalt der Kirchenleitung haben erdenken wollen, die anders gewesen wäre als die, welche Gott in seinem Wort vorgeschrieben hat.“