Gedanken zu Apg 10
Wie wendet man die Geschichte von Kornelius (Apg 10) heute an? Ist nicht das Problem ein spezifisches Problem des ersten Jahrhunderts? Hat nicht die Kirche inzwischen gelernt, dass das Evangelium allen Menschen gilt? Von Beschneidung redet ja in unseren Kreisen auch schon niemand mehr…
So könnte man sich recht schnell der Herausforderungen der Geschichte von Kornelius entledigen. Ich glaube dennoch, dass die Geschichte uns etwas zu sagen hat. Welchen Menschen verweigern wir das Evangelium? Sind unsere Gemeinden nicht vielfach nur Szene-Gemeinden, die ein bestimmtes Klientel im Blick haben und alle andersartigen von Anfang an ausschließen? Dies gilt gleichermaßen für Jugendgemeinden und traditionelle Gemeinden, selten sind Gemeinden wirklich offen für jeden (außer auf dem Papier). Wer ist uns zu „unrein“, um ihn mit dem Evangelium zu konfrontieren? Sicherlich geht es nicht darum, dass eine Gemeinde
nicht Schwerpunkte auf bestimmte Zielgruppen hin setzen darf, dennoch sollte sie dabei die Offenheit für jeden Einzelnen nicht aus dem Blick verlieren.
Hochaktuell ist der Text auch in der gegenwärtigen Diskussion um Judenmission. Nachdem inzwischen sowohl die Evangelische Kirche des Rheinlandes als auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken Judenmission kritisiert haben, stellt sich die Frage, ob mit der Absage an Judenmission nicht genau das umgekehrt wiederholt wird, was die Einstellung der Judenchristen vor Apg 10 war. Das Evangelium gilt ja nur uns, nicht den Juden…
Die Verpflichtung zur Mission liegt aber gerade im souveränen Wirken des Heiligen Geistes begründet: wo Jesus Juden in seine Nachfolge ruft, kann ich ihnen das Evangelium nicht vorenthalten. Wenn man die Ablehnung der Judenmission mit dem Hinweis auf die Souveränität Gottes in seinem Heilswirken ablehnt, so hat man die biblische Botschaft gründlich missverstanden. Gott lädt vielmehr die Christen (in Apg 10 Petrus) dazu ein, den entscheidenden Schritt zu tun und den Juden (Apg 10: Heiden) das Evangelium zu verkünden. Wo der Heilige Geist dann Umkehr wirkt, da kann ich mich der Verpflichtung zur Taufe nicht entledigen und sagen: „Gott, mach mal, aber ohne mich!“ Indem die Kirche die Judenmission preisgibt, tritt sie das Erbe Petri und Pauli mit Füßen, gerade, wenn man bedenkt, dass durch den Gehorsam dieser Apostel Jesu das ganze Abendland geprägt wurde!
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