Kann Musik Verkündigung sein?

9 10 2009

Wer kennt das nicht? Gottesdienste, deren Musik sich an „dem“ Geschmack der Gäste ausrichtet, deren Musik zur billigen Entspannung und Unterhaltung verkommt.Musik als „liturgischer Lückenfüller“ und Appetithäppchen….

Dabei ist Musik viel mehr: sie will selbst Evangelium verkündigen und Anbetung gegenüber Gott ausdrücken.

Dazu ein Zitat des evangelischen Theologen und Musikwissenschaftlers Walter Blankenburg:

„Es ist im christlichen Gottesdienst das Amt der Verkündigung nicht beschränkt auf das gesprochene Wort des Predigers auf der Kanzel. So wie alle Stücke des Gottesdienstes teilhaben an der Verkündigung, so auch das Lied der Gemeinde, wie das gesungene Wort des Chors. Die Musik im Gottesdienst hat gegenüber der Predigt nicht eine sekundäre, zweitrangige Funktion in der Stimme der Antwort und des Widerhalls auf das an die Gemeinde ergangene Wort Gottes, so unentbehrlich auch diese ist. (…) Vielmehr sind sacramentum und sacrificium, Wort und Antwort, Verkündigung und Lobopfer durch den ganzen Gottesdienst miteinander verwoben und unzertrennlich miteinander verknüpft. Das aber bedeutet, dass das gottesdienstliche Singen (…) unmittelbaren Anteil hat an dem, was den Gottesdienst begründet und trägt, nämlich an der Vermittlung des Evangeliums. Seine Zurücksetzung ist Verschmähung eines Gefäßes der Verkündigung, das Gott zu seinem Sprachrohr erwählt hat.

(aus: Blankenburg, Walter. Kirche und Musik. V&R: Göttingen, 1979. S. 313)





Zur sogenannten „Bibel in gerechter Sprache“

22 09 2009

Wer sich kritisch mit der sogenannten „Bibel in gerechter Sprache“ beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre des interessanten Sammelbandes:

Moltmann-Wendel, Elisabeth (Hg. u.a.). Der Teufel blieb männlich. Kritische Diskussion zur „Bibel in gerechter Sprache“. Neukirchener: Neukirchen, 2007

Der Band vereint Aufsätze aus feministischer, historischer und systematisch-theologischer Sicht, die zum großen Teil dieser neuen Bibelübersetzung, die meines Erachtens als die größte Bibelfälschung in deutscher Sprache seit der „Neue Welt“-Übersetzung der Zeugen Jehovas gelten kann, kritisch begegnen.  Besonders lesenswert sind die Beiträge von Ulrich Wilckens  (der hier auch online zugänglich ist) und Ludger Schwienhorst-Schönberger. So urteilt Wilckens :

„Diese Übersetzung beraubt das Neue Testament der Wahrheit der beiden Grundbekenntnisse, aller christlichen Kirchen, die sie in ihrer Heiligen Schrift begründet wissen:  Der Wahrheit der Gottessohnschaft Jesu Christi und damit der Wahrheit des drei-einen Gottes.“

Zu den weiteren Autorinnen und Autoren gehören u.a.: Karin Bornkamm, Elisabeth Moltmann-Wendel, Jens Schröter, Ulrich H.J. Körtner und Othmar Keel. Die Autoren kommen aus sehr unterschiedlichen theologischen Richtungen, sind sich aber in vielen Kritikpunkten einig, meistens sind die Beiträge auch ausgesprochen sachlich.





Bonhoeffers Werke in Auswahl

16 09 2009

Wer sich für das Leben und die Theologie eines der bedeutendsten protestantischen Theologen des 20. Jh., Dietrich Bonhoeffer,  interessiert, der sollte jetzt zuschlagen:

Zur Zeit gibt es die „Dietrich Bonhoeffer Auswahl“ des Gütersloher Verlagshauses (umfasst 6 Bd., ca. 1200 Seiten) für 14,95 Euro u.a. hier.

Die Auswahl enthält Auszüge aus:

  • Bonhoeffers Briefen
  • Nachfolge
  • seiner Dissertation  Sanctorum Communio
  • seiner Predigten
  • seiner Auslegung zum Sündenfall (Schöpfung und Fall)
  • sowie seiner Ethik.




Tierische Musik

7 09 2009

Manche Tiere haben eine ungemein hohe musikalische Begabung. Ein schönes Beispiel dafür ist ein Papagei, der die „Königin der Nacht“ besser als so mancher Mensch singt.

Hier geht es zu dem amüsanten Video.





Tozer über Nachfolge

7 09 2009

A.W. Tozer gehört zu den Predigern des 20. Jahrhunderts, die einen scharfen Blick für die Realität und Not der christlichen Gemeinde hatten und prophetisch in diese Situation hineinsprachen. So traf er folgende erschütternde und herausfordernde Diagnose:

„Es hinterlässt ein großes Vakuum, dass in der heutigen Christenheit kein Konzept für Jüngerschaft mehr existiert, und Männer und Frauen versuchen, dieses Vakuum instinktiv mit einer Reihe von Ersatzmitteln auszufüllen.

Eines davon ist eine Art von Frömmigkeit – ein frohes Gefühl von Wohlwollen gegenüber der Person unseres Herrn, das in sich selbst seinen Wert hat und nichts mehr vom Kreuztragen weiß.

Ein weiteres Ersatzmittel ist ein Buchstabenglaube – man besteht darauf, sich an das Wort Gottes zu halten, ignoriert aber dessen Geist. Der geistliche Gehalt und Sinn der Worte Christi wird nicht mehr wahrgenommen, und man ist damit zufrieden, dass der Text äußerlich dehnbar ist.

Ein drittes Ersatzmittel ist die eifrige religiöse Aktivität. „Für Christus wirken“- das wird heute weithin als Ausweis wahrer Frömmigkeit unter fast allen evangelikalen Christen akzeptiert. Christus ist zum Projekt geworden, das man voranbringt, oder zu einer Ursache, der man dient – und ist nicht mehr der Herr, dem man gehorcht!

Um der Falle selbstgewählter Ersatzmittel zu entgehen, rate ich dazu, sorgfältig und betend in der Bibel nachzulesen, was Herrschaft Jesu Christi und was Jüngerschaft der Gläubigen bedeutet.“

(zit. aus Tozer, A.W. Neu erfrischt für jeden Tag. 365 Andachten. Hänssler: Holzgerlingen, 2002. S. 270-271)





Deutsche Bibelkommentare?

24 08 2009

Für den englischen Sprachraum gibt es schon länger eine Website, die Kommentare bewertet und Rezensionen sammelt: BestCommentaries, die allerdings deutschsprachige Veröffentlichungen nicht berücksichtigt.

Zu deutschen Kommentare wird man im Internet nur sehr schwer fündig. Eine grobe Liste findet sich im  Blog von Michael Bird/Joel Willits. Nun sind zwar auf Deutsch bibeltreu-wissenschaftliche Kommentare rar gesät, das muss aber nicht heißen, dass es nicht auch einige sehr nützliche (moderat)-liberale Kommentatoren gibt, die den Text sehr gut auslegen. Wer kann mir bei meiner Suche behilflich sein und hat gute Erfahrungen mit einem Kommentar gemacht?

Nur mal eine Auswahl, die ich bisher immer recht brauchbar fand (neben den Klassikern der Zahn-Reihe zum NT und Keil/Delitzsch zum AT):

Schnabel, 1. Korinther (HTA, evangelikal)

Gnilka, Der Philipperbrief (HThK, katholisch)

Goppelt, Der 1. Petrusbrief (KEK, moderat kritisch)

Bovon, Das Evangelium nach Lukas (EKK)

Meines Erachtens haben die oben genannten Kommentare eine gute Behandlung der Theologie des Buches sowie des griechischen Textes gemeinsam.

Auf Ergänzungen und weitere Empfehlungen bin ich schon sehr gespannt!

Zu den Kriterien: Ein guter Kommentar sollte meines Erachtens vor allem auch in der Praxis benutzbar sein, also nicht so technisch, dass man ihn zur Vorbereitung einer Andacht/Predigt nicht mehr verwenden kann, dabei allerdings auch nicht oberflächlich sein (wie es bei Teilen der Wuppertaler Studienbibel und des EditionC-Kommentars der Fall ist). Zudem sollte mit dem Text fair und ehrlich umgegangen werden.





Gott allein die Ehre

24 08 2009

Dies prägt nicht nur die Musik Bachs, Händels oder Zelenkas (siehe letzten Post), sondern ist besonders erkennbar bei Johannes dem Täufer (Joh 3,22-36), der, als Jesus seinen Dienst beginnt, zurücktritt und sagt:

Er muss wachsen, ich aber abnehmen.“ (Joh 3,30)

Die Antwort Johannes des Täufers auf diese Frage ist auch lehrreich für uns. Wenn wir Gemeinde bauen, wenn wir unsere Ziele und Ehre an die oberste Stelle setzen, dann verfehlen wir das Ziel völlig. Es geht um Gottes Ehre und seine Verherrlichung allein! Johannes ist bereit, seinen Dienst und den Segen, den sein Dienst erbracht hatte, loszulassen. Er klammert sich nicht an Erfolg und Nachfolger, sein Prinzip ist die Verherrlichung Christi, die notwendigerweise das eigene Zurücktreten beinhaltet (V. 30).

Ich glaube, dass die Frage, wem die Ehre in der Gemeinde gebührt, brennender ist, als man zugeben möchte. Wieviel Machtmissbrauch gibt es in Gemeinden? Wie oft ist Gemeindebau die Verwirklichung der eigenen Vorstellungen und Wünsche, etwas zu tun, was noch keiner vor uns getan hat? Wie oft packt uns da ein falscher Ehrgeiz? Gottes Reich kann nicht gebaut werden, ehe wir unsere eigenen Vorstellungen völlig aufgeben und dem Willen und der Ehre Jesu unterordnen. Dies mag durchaus heißen, dass niemand mehr uns folgt. Es geht um die Nachfolge Christi.

Diese Unterordnung unter Jesus liegt dem Evangelisten sehr am Herzen. Unglaube bedeutet Ungehorsam und zieht Gottes Zorn nach sich. Wer sich hingegen Jesus unterordnet, bekennt sich zur Wahrhaftigkeit und Wahrheit Gottes und wird das ewige Leben erben. Der Evangelist stellt uns vor die Entscheidung, vor der schon das Volk Israel immer stand: Wem wollt ihr dienen? YHWH oder den Göttern der Ägypter (vgl Jos 24,15) ?

Wenn Johannes Calvin in den berühmt gewordenen Worten am Anfang seiner Institutio als Summe aller Weisheit die Gotteserkenntnis und die Selbsterkenntnis gegenüberstellt, hat er treffend zusammengefasst, was auch diese Perikope vermitteln will. Gotteserkenntnis bedeutet nichts anderes als Christuserkenntnis. In Christus offenbart sich Gott, der Vater, er hat ihm alle Macht übergeben und er ist der wahre Abglanz seines Wesens. Dem gegenüber steht unsere Selbsterkenntnis, nämlich die Erkenntnis, dass uns keine, aber Gott alle Ehre gebührt. Aus dieser Erkenntnis erwächst notwendigerweise die Entscheidung zum Gehorsam und zur Unterordnung Gott gegenüber.

Johannes der Täufer darf uns in seinem Lebensmotto ein Vorbild sein. Aber auch Johannes war kein Übermensch. Um mal einen kleinen Ausblick über die Perikope hinaus zu wagen: die Bibel berichtet uns ebenso von seinen Zweifeln, die er hegte, während er später im Gefängnis saß (Mt 11,2-6). Glauben heißt nicht, dass damit alle Zweifel für immer vom Tisch sind. Aber auch in seinen späteren Zweifeln tut Johannes das einzig richtige: er kommt mit den Zweifeln zu Christus. Abstrakter gesagt: Johannes weiß, dass die einzige Antwort auf seine Fragen und Zweifel Christus selbst ist. Christus beansprucht nicht weniger, als die Grundlage unserer Gotteserkenntnis zu sein: er selbst ist fleischgewordener Gott. Diesem Anspruch können wir uns beugen oder aber ungehorsam sein. Die Konsequenzen des Ungehorsams werden wir aber tragen müssen. Ein jeder steht täglich vor der Entscheidung der Nachfolge, sie ist nicht mit einem einmaligen „Übergabegebet“ erledigt: Glauben ist eine tägliche und beständige Herausforderung. Die Kraft zum Glauben kommt dabei aber einzig und allein von dem, an den wir glauben: Jesus Christus.





Muss man Christ sein, um Bach zu spielen?

16 08 2009

Diese sehr interessante Frage wurde vor einiger Zeit auf einem Meisterkurs dem berühmten und renommierten Geiger Gidon Kremer gestellt. Seine spontane Antwort war (frei wiedergegeben): „Bach ist für jeden da.“ Damit hat er sicherlich recht: jeder Mensch kann und darf unabhängig von seiner religiösen Überzeugung Bach spielen. Es ist interessant, wie viele nichtchristlich geprägte Musiker über dem eigenen Bachspiel merken, dass die Musik dieses Komponisten, der über seine Werke häufig die Widmung SDG (= Soli Deo Gloria!, Gott allein die Ehre!) setzte, eine tiefere geistliche Ebene hat. Diese Ebene zu verstehen, ist  jedoch wohl nur dem möglich, der den tiefen christlichen Glauben Bachs (Bach war überzeugter Lutheraner) teilt und insofern wird sich dieser Aspekt der Musik Bachs sicherlich nur dem Glaubenden und Anbetenden erschließen. Vielleicht ist die Anweisung SDG die wichtigste aufführungspraktische Anweisung, die der Komponist in seiner Partitur hinterlassen hat. Die Art und Weise des Bachspiels hat sich im letzten Jahrhundert ständig gewandelt, dabei sind sicherlich auch Annäherungen an die „ursprüngliche Spielart“ gelungen, dennoch wird das wesentliche missachtet bleiben, wo seine Musik nicht dem zur Ehre gespielt wird, der seinen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen sondern ewiges Leben haben (Joh 3,16). Das als Musiker zu vermitteln, ist und wird meiner Meinung nach die größte aufführungspraktische Herausforderung des Bachspiels bleiben.





„In Christus“ – ein Perspektivwechsel

16 08 2009

Mir ist in der letzten Zeit bewusst geworden, wie stark ein Gedanke das Denken des Paulus geprägt hat: in Christus. Diese zwei unscheinbaren Worte sind nicht so banal wie sie klingen. Wer den Philipperbrief liest, wird schnell merken, dass sich darin die ganze Lebenshaltung, ja Weltanschauung des Paulus widerspiegelt. Man schaue sich nur mal die Aufforderungen in Kap. 4 an:

  • freut euch im Herrn!

  • Steht fest in dem Herrn!

  • Lasst eure Milde kundwerden allen Menschen, der Herr ist nahe! (V.5)

Die Freude, die Paulus meint, ist keine naive oder aufgesetzte Freude, die das Leid und den Schmerz verkennt und ignoriert, sondern eine Freude, die das Leid unter einer neuen Perspektive betrachten kann: im Herrn. In Christus, der sich selbst erniedrigte und durch seinen Tod und seine Auferstehung den Menschen die Erlösung brachte (Phil 2,5-11), offenbart sich Gott als der Mit-Leidende. Darum kann Paulus auch schreiben:

Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. (V. 7)

Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus! (V.8)

In Christus kann Befreiung geschehen, Friede einziehen, wenn wir bereit sind, unsere Sicht auf ihn zu richten und unsere Umwelt mit seinen Augen zu sehen!

(Schriftzitate sind der Elberfelder 2003 entnommen)





Cello-Challenge: einmal Philharmoniker…

10 08 2009

Ein witziges Online-Spiel findet sich auf der Website der Berliner Philharmoniker. Dort kann man sich darin üben, den Bogen des Cellisten zum „Schwan“ von Camille Saint-Saens so zu streichen, dass möglichst wenig unangenehme Nebengeräusche  entstehen. Es braucht ein bisschen Übung, damit es sich nicht wie zwei knirschende Schuhsohlen anhört. Für alle, denen es nie gegönnt war, ein Streichinstrument zu erlernen, bietet sich ein wunderbarer Einblick in die Schwierigkeiten des Cellospiels: als Streicher muss man solche Nebengeräusche meist über mehrere Jahre ertragen, bis man ohne auskommt ;-)

Hier geht es zum Spiel.